Novalis bezeichnet das Theater als die tätige Refexion des Menschen über sich selbst. Mit dem ‘Faust‘ gibt uns Goethe ein Bild für den Lern-, Erfahrungs- und Entwicklungsweg eines Menschen. In der Tagung haben wir untersucht, wie die Entwicklung des Menschen im Kontext von Geld und Macht aussieht. Mit der vorligenden Dokumentation möchten wir einen roten Faden für das Thema FAUST-MACHT-GELD durch alle Vorträge entwickeln und Gesichtspunkte herausheben, die dazu anregen am Thema weiterzuarbeiten. Vorträge und Aufführung haben sich wärend der Tagung ineinander verwoben. Die Workshops gaben die Möglichkeit einzelne Aspekte zu vertiefen und gemeinsam zu erörtern. Die musikalische Einstimmung am Morgen lieferte ein berührendes Erlebnis davon, was möglich ist, wenn wir präsent sind, einander zuhören und freudig unser Bestes geben.

Donnerstag

Martina Maria Sam entwickelte zunächst mit ihrem Beitrag «Die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeiten – Fausts Versuchung(en) in der „grossen Welt“» einen Überblick über den Verlauf des Dramas. Zugleich schärfte sie den Blick für das geistig-seelische Entwicklungsfeld, in das Goethe den Menschen stellt, der ‘strebend sich bemüht‘: Faust mit seinen hellen und dunklen Seiten.

Freitag

Am nächste Morgen skizzierte Ingo Krampen – der dankenswerterweise kurzfristig für die erkrankte Herta Däubler-Gmelin eingesprungen war – Phasen der Rechtsgeschichte und entwickelte Begriffe für ein erweitertes Rechtsverständnis: Vom Schulrecht zum Verantwortungsrecht. In seinem Beitrag wurde die Entwicklung des Rechts vor dem Hintergrund der inneren Entwicklung des Menschen anschaulich und lieferte nicht nur den Hintergrund zur Betrachtung der Wege von Margarete und Faust, sondern auch Perspektiven für eine individuelle Gestaltungsmöglichkeit aus einem neuen Rechtsverständnis jenseits von Pficht und Rechtsanspruch.

Mit der Frage, «Was können wir von Faust über uns und über Geld lernen?» spannte Hanjo Achatzi einen Bogen von unserer eigenen biografschen Beziehung zum Geld zur Beziehung, die das Geld zwischen uns und der Welt schafft. Er beleuchtete Stellen im Drama, an denen die Bedeutung des Geldes besonders deutlich wurde und skizzierte Entwicklungslinien und Ausblicke für einen neuen Freiheitsbegriff, der unsere individuelle, seelisch-geistige Entwicklung als Ausgangspunkt für die weitere Weltentwicklung nimmt.