Ab Ankunft am Bahnhof umarmte mich die außergewöhnliche Atmosphäre der Tagung; der Weg zum Goetheanum beinhaltete schon einiges davon – als ob der Weg die Besucher mit einem Schub nach oben unterstützen wollte. Wir waren als Individuen unterwegs, doch wir formten bald eine schweigende Gruppe, die mit einem Ziel sich fort schlurfte. Da stand das Goetheanum, stark und zugleich einladend, großartig und liebevoll, mit einem nach drinnen ziehenden Eingang. Wir schauten uns um, die Besucher aus allen Himmelsrichtungen begegneten einander und wir realisierten, dass wir ein gemeinschaftliches Ziel teilten: Wir wollten eintauchen in die Tiefen des Meisterwerkes, des Lebenswerkes von Goethe. Alle Aktivitäten, hauptsächlich die Bühnenaufführung der Tragödie (die übrigens in Liebe und Weisheit endet), trugen bei zu der Erfahrung, die Goethe hinaustragen wollte. Die Tagung war an sich keine Entspannung, im Gegenteil, die Befriedigung kam durch die ständige intensive Auseinandersetzung mit dem Thema während der Vorträge und während der Bühnenaufführung. Die gewünschte Entspannung genossen wir in den Begegnungen zwischendurch; freundschaftliche Kontakte mit jedem, faires und gesundes Essen, die wunderschöne Natur und Weitblicke. Da ich kein Muttersprachler Deutsch bin, war es mir wichtig mich gut vorzubereiten: Faust und mehrere Kommentare habe ich andächtig gelesen (Steiner, Oberkogler, M.M. Sam/Chr. Haid). Der fortdauernde Schlüsselmoment war einerseits das Interesse von allen, und andererseits die Begeisterung und Beseelung der Sprecher. Sowohl das Interesse, als die Begeisterung waren immer sehr gut zu spüren. Wir, Besucher und Schauspieler, teilten ein Ganzes; waren Eins in einem Organismus, wodurch Goethes Geist sprechen konnte. Zurück in den Niederlanden und Zuhause fühlte ich einen großen Trieb mich wieder mit dem Faust auseinandersetzen zu wollen. Zugleich wuchs bei mir der Impuls eine Arbeit zu dem Faust zu schreiben: Aufgrund meiner Erfahrungen, stets kleine Zusammenfassungen verfertigend, bereichernd mit Kunstwerken und Bildern, beifügend Musikfragmenten und Theatervorstellungen. Gelingt es mir? Eine Frage ohne Antwort…. Faustisches Streben ist dazu notwendig.

Joan Botman

P.S.: Das Fehlen von Werbung und Kommerz ist ein Genuss!

Wir haben uns ausführlich und mit einigen Beispielen von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die von mir im Vortrag thematisierte Entwicklung des Rechts unterhalten, nämlich über den Übergang vom „Schuldrecht“ zum „Verantwortungsrecht“. Im Gespräch wurde – auch an den Beispielen der Teilnehmer/innen – schnell sehr deutlich, dass es für praktische Lösungen heutzutage auf die richtige Mischung ankommt: Wir brauchen so viel „Schuldrecht“ wie nötig und so viel „Verantwortungsrecht“ wie möglich. Das Bewusstsein der Menschen ist heute noch nicht so weit, dass alles ohne Ansprüche und Verpfichtungen gelöst werden könnte. Wir brauchen heute noch ein erhebliches Maß an Rechtssicherheit. Aber darauf können wir durchaus in unseren Rechtsverhältnissen einiges auf Freiheit und Verantwortung stützen. Soweit als kleiner Bericht. Euer „Kameramann“ von der Jugendsektion hat ja eine kleine Sentenz fotografert oder geflmt. Daraus ergeben sich vielleicht auch Aufschlüsse.

Herzliche Grüße
Ingo Krampen

Durch die Komposition von Vorträgen, Bühnenaufführungen, Workshops und Gesprächsmöglichkeiten wurde ein aktives Miterleben und Mitarbeiten am Thema ‘Faust Macht Geld‘ ermöglicht. Durch diese Ergänzung zum Schauspiel war es für mich leichter ins Thema einzusteigen und ein Verständnis zu entwickeln, sowie die Thematik auf die heutige Zeit und Gesellschaft zu übertragen. Insgesamt gestaltete sich so die Tagung zu einer aktiven geistigen Arbeit und Bewusstseinsentwicklung, welche besonders durch den Austausch im Gespräch geprägt wurde. Schlüsselmomente gab es über die ganze Tagung hinweg, doch insbesondere bei den Vorträgen und den Workshops. Besonders schön war es zu erleben, wie unter den Teilnehmern Gedanken gedacht, ausgetauscht und entwickelt wurden. Überhaupt der Austausch über die Generationen hinaus, welcher stets auf Augenhöhe statt fand, trug stark zur harmonischen Stimmung der Tagung bei. Mitgenommen habe ich ein verstärktes Verantwortungsbewusstsein und die Motivation mich noch weiter mit Faust, insbesondere dem zweiten Teil, zu beschäftigen.

Herzliche Grüße,
Lucian Löbner

Ein Weg der Hoffnung – Die Jugendtagung 2017 am Goetheanum Faust. Macht. Geld

Als Jugendliche frage ich mich oft, wie ich in dieser (modernen) Gesellschaft Prozesse beeinfussen und Systeme ändern kann. Meistens sehen die Situationen worin ich mich befnde schlecht aus – Umweltprobleme, Armut, Ungerechtigkeit gegenüber anderen Menschen usw. Oft fühlt es sich an, als ob das Geld und ein paar mächtige Personen über uns regieren – sie bestimmen wie es in meinem Leben läuft. Das Gefühl in einem System gefangen zu sein, worin wir ohnmächtig sind, macht mich traurig. Warum gibt es keine großen Änderungen? Das Thema der Fausttagung 2017 war Faust. Macht. Geld. Ein Thema, das sehr gut bei meinen Zweifeln über die Welt passte. Verschiedene Sprecher aus der Welt kamen nach Dornach, um mit uns ihre Erfahrungen mit Macht und Geld zu teilen. Der Vortrag von Nikolaj Fuchs, Vorstandsmitglied der GLS Treuhand Bank, fokussierte auf die Verantwortung und das Gemeinwohl, welche beide eine wichtige Rolle in der Wirtschaft haben sollten. Er gab uns die Idee des Gemeinschaftsgeldes – Geld, das gemeinschaftlich benutzt wird. Dies bedeutet, dass eine andere Form des Geldsystems entstehen muss – ein spannender Gedanke! Er hat mit der GLS Treuhand Bank den ersten Schritt zur positiven Änderung gemacht. René Becker, Mitbegründer und Präsident von Tierre de Liens, sprach über die Bedeutung von einem gesunden Stück Land für die lokale Bevölkerung und für die Welt als Ganzes. Mit seinem Unternehmen kauft er landwirtschaftlichen Boden frei, sodass es von Demeter-Bauern benutzt werden kann. Das Land wird in Harmonie gebracht. Auch er zeigte uns, wie man erfolgreich gegen den großen (negativen) Wirtschaftstrend laufen kann. Diese beiden Personen, und noch viele andere, gaben uns positive Impulse mit. Es sind Impulse, die mir zu denken gegeben haben. Sie haben uns gezeigt, dass es möglich ist, aus einem Ideal eine Realität zu machen – mit positiver Kraft kann man gegen die (negative) Strömung Positives gründen. Mit kreativer Energie, Ausdauer und Mut, ist jeder imstande die Welt in ihrem bzw. seinem persönlichen Projekt zu verbessern. Nicht nur die Vorträge trugen Impulse in sich, auch die Bühnenaufführungen und die Gespräche waren mir wichtig. Am Goetheanum hatten sich Jugendliche versammelt, die bewusst über die Problematik der Erde nachdenken und sprechen wollten. Jugendliche die open minded nach Lösungen gesucht haben. Während der Workshops und während der Gespräche gab es die Freiheit, neue Gedanken zu formulieren. Dazu gab es schöne Diskussionen, worin ständige Resonanz stattfand – eine fruchtbare Selbstrefexion. Faust passte perfekt in diese Diskussion. Die Bühnenaufführungen haben gezeigt wie Faust sich Lösungen für seine (Welt)problematik ausdachte und wie er sie im Handeln umsetzte. Im zweiten Teil entwickelt er das Ideal eines freien Landes mit freien Menschen – ein Ideal, das wir heute auch haben. Um sein Ideal zu verwirklichen, benutzt er Mephistopheles Kräfte. Sein Handeln hat negative Folgen und eine negative Schuld. Hätte er anders handeln können, wenn er sich Mephistopheles Einfüssen bewusst gewesen wäre? Gerald Häfner sagt: „Der Mensch handelt immer mit Schuld.“ Es ist an uns die Frage, ob wir positiv handeln wollen mit einer erträglichen Schuld oder ob wir negativ handeln mit einer unerträglichen Schuld. Unser Handeln ist unsere Verantwortung. Wie wir handeln wollen, entscheiden wir selber. Faust hat uns ein negatives Beispiel gegeben, woraus wir lernen können. Die Gespräche, Vorträge und Bühnenaufführungen am Goetheanum haben mir einen positiven Weg gezeigt. Ein Weg der Hoffnung, ein Weg zu einem realistischen Ideal. Es ist ein reiches Gefühl, diese Impulse mitnehmen zu dürfen, in einer Zeit, in der Hoffnung manchmal weit weg ist.

Von Roos Naves

Ein Schlüsselmoment der Tagung war der Vortrag von Gerald Häfner, in dem er darauf hinwies, dass wir mit unserem Konsum indirekt mit jedem der 8 Milliarden Menschen dieser Welt verknüpft sind …auf diese Weise die Erkenntnis des bekannten Ausspruchs „ICH bin der Wandel, den ich in der Welt sehen will“ plötzlich so klar und deutlich zu verstehen, war ein Schlüsselmoment, den ich sehr ergreifend fand und seitdem vielen erzählt habe. Das Gefühl: es ist meine Handlung, die den Anfang macht! Nicht auf die Veränderung anderer, der Politiker, der „Gesellschaft“ zu warten, sondern alles, was ich selbst tue, als das anzusehen, was diese Erde prägt und all die scheinbar verstrickten Wege zwischen Produktion und Konsum beeinfusst. Ich habe als Workshop „Geben und Nehmen…das Männliche und Weibliche Prinzip“ in Eurythmie mitgemacht. Das war sehr spannend, weil ich das Prinzip des Gebenden/Nehmenden in Bezug auf Männlich/Weiblich seit einigen Monaten als Thema bearbeite. Im Seminar an der Uni über den Daoismus mit Yin und Yang, als auch im Gender-Studies Blockseminar in Göttingen, wo wir das diskutiert haben. Das in der Eurythmie noch mal wirklich erleben zu können und darzustellen, war sehr besonders. Weiterhin hat es meinen Drang Faust als Thema in meinem Leben weiter lebendig zu halten und irgendwann mal wieder Seminare dazu zu besuchen und es genauer zu studieren verstärkt. Faust komplett zu verstehen darf nicht mein unmittelbarer Anspruch sein, aber es zumindest als Ideal zu verfolgen, weiterhin Faust-Passagen immer wieder zu bearbeiten und darin einen Teil von mir zu erkennen, ist durch das Wochenende bestärkt worden. Es war ein tolles Erlebnis und wird noch lange in mir nach-arbeiten,

Lieben Gruß ins schöne Dornach,
Carsten Adler

Eingebettet in Vorträge und Workshops wurde aus dem Theaterstück etwas ganz Neues, Aktuelles. Mir wurde deutlich: Der Faust hat mit unserer heutigen Gesellschaft und mit meinem Leben zu tun. Das volle Programm war anstrengend – jedoch waren die angebotenen Beiträge so kostbar, dass ich auf nichts verzichten mochte. Im Grunde war diese Fülle für mich eine Überforderung. Nun freue ich mich auf die Dokumentation, die mir Anlass und Möglichkeit einer erneuten Beschäftigung mit den Themen der Tagung sein wird.

Cornelia Hermann