Es gibt Momente – wir alle kennen sie! – in denen eine grosse Freude aus dem entsteht, was man miterleben darf. Aus solchen Momenten erzähle ich jetzt.

Im Juli kamen um 40 Menschen aus 20 Ländern zum Initiativtreffen der Jugendsektion nach Den Haag. Janna, Ioana und Johannes haben das Treffen mit anderen lange vorbereitet; wir durften im Haus der Anthroposophischen Gesellschaft sein, in der Nähe des Internationalen Gerichtshofs.

Austausch, Gemeinsamkeit und Freude an der grossen Vielfalt an Erfahrungshintergründen, wenn aus so verschiedenen Erdteilen Menschen sich treffen und erzählen! Aus Israel, aus Indien, aus Nepal, aus Spanien – aus Tschechien kam Klára mit dem Bus, mit 16 war sie die jüngste Teilnehmerin. Und bei all diesen vielen Sprachen: der Wille, im Gespräch das sagbar werden lassen, was als richtungsgebend gefühlt wird selbst dann, wenn es im Unsagbaren lebt.

‚Was ist Liebe?’ fragte Nanna Woo – und zeigte, wie es in der Schönheit, im Glück, im Schmerz und in der Liebe entdeckt und erlebt werden kann: mit Musik, Eurythmie, Theater und Tanz.

Wir alle konnten an der Gründung der niederländischen Jugendsektion teilnehmen, sorgfältig vorbereitet durch die Menschen, die diesen Impuls verwirklichen wollten. Im von der Gründungsgruppe mit Rik den Cate geschmiedeten Dodekaeder wurde aus jeder der Regionen Hollands Erde hineingelegt; und wir hörten in allen anwesenden Sprachen den letzten Teil des Grundsteinspruches und den herzlichen, jeden Menschen immer wieder betreffenden Wunsch, dass das, was gegründet wird, gut werde.

Mitglieder des Vorstands der niederländischen Anthroposophischen Gesellschaft, der holländische Generalsekretär Jaap Sijmons, viele Freunde unterschiedlicher Generationen konnten Zeuge dieses Raumes sein, der durch das Zusammen-sein-wollen gebildet werden kann.

Im Anschluss wurde mit grosser Gastfreundlichkeit gefeiert, mit richtigem niederländischen Hering, mit vielen Gesprächen im Garten, einem grossen Abendessen und abends noch mit Tanz und Feuer.

Am nächsten Tag wurden Fragen zur Freien Hochschule für Geisteswissenschaft besprochen. Klar und offen wurde befragt, bewegt: wie ist eine Gemeinschaft zu gestalten, die Innerlichkeit sucht und die offen und permeabel bleiben möchte? Wie ist der Umgang mit einem esoterischen Gut zu gestalten, der zugleich behütet und zugänglich gemacht sein will?

Das Forschungsprojekt der Jugendsektion am Goetheanum wurde vorgestellt: unsere Projekt-Mitarbeiterin Melanie Hoessel kam angereist und wir konnten hören, inwiefern die Fragen, die gestellt werden sollen, relevant sind und eine Gelegenheit schaffen, sich ‚den Fragen nach der eigenen Identität im Zusammenspiel mit der Welt erforschend zu nähern’ – so beschrieben es Ioana und Andrea. Welchen Fragen möchten wir uns stellen, mit welchen Fragen leben, so dass aus dem Leben mit und aus ihnen, Möglichkeiten der Veränderung, der Bewegung, der Erkenntnis entstehen? Das Projekt wird beschrieben und soll bald allen Interessierten zur Teilnahme zugänglich gemacht werden.

Es wurde beschlossen die Jugend-Tagung am Goetheanum Juli 2018 als gemeinsames Vorhaben zu gestalten: Vorschläge zum Thema wurden ausgesprochen und bald wird aus den fortlaufenden Gesprächen die Einladung zur Tagung erfolgen – wir freuen uns sehr, dass sie so international veranlagt ist!

Gegenseitigkeit: ist es nicht das, was gelernt, geübt, gelebt werden will heute? Die Mutualität, die uns die Menschlichkeit zu leben ermöglicht und ohne die diese Menschlichkeit in Gefahr gerät – jeden Tag erneut. Es ist eine Reziprozität, die unter Menschen lebt, die aber, darüber hinaus, auch die Natur dringend vom Menschen in seinem Verhältnis zu ihr braucht. Von Mensch zu Mensch, von Mensch zur Natur, und noch: vom Menschen zu Gott? „Erkenntnis im Menschen ist dessen Teilhabe an dem, was sich Wesen und Vorgänge in der geistigen und physischen Welt zu sagen haben“ (Rudolf Steiner) – ist es so, dann ist der Erkenntnisakt des Menschen Teilhabe an einem Dialog, das heisst, es ist Verhältnis, Beziehung. Eine Beziehung, die Neues ermöglicht, die schaffend ist. Das kann der Raum der Begegnungen in der Jugendsektion immer wieder sein – so erlebte ich es in Den Haag, so auch eine Woche später in Oriago wo sich über 100 junge Menschen aus Italien trafen um das Thema ‚Alla ricerca di noi – la Scienza dello Spirito comme impulso per i giovanni di oggi’ – ein sehr schöner Bericht von Bárbara Valentín ist in dieser Ausgabe zu lesen -, wie auch im September in Buenos Aires im Neolaia – ein Treffen um die Frage der Identität und der pluralen Ausrichtung der Wirklichkeit, und in der Jugendsektionsgruppe in Ecuador, die Anfang August ein Treffen um die Frage der Notfallpädagogik und die Möglichkeiten der sozialen Wirksamkeit durchführte. Die Hinwendung zum Menschlichen in den vielen und komplexen Dimensionen konnte in der Konferenz zu Faust „Faust.Macht.Geld“ erlebt und besprochen werden – dazu auch mehr in dieser Ausgabe!

Die Relevanz des eigenen Tuns für das, was heute konkret erfordert wird, der Anschluss an die gesellschaftlichen Herausforderungen, der Bezug der inneren Suche zum Leben, das Leben in einer inneren Suche – diese Themen waren präsent in diesen Treffen, in den Berichten der Arbeit aus den verschiedenen Ländern, im Kontext der Hochschule sowie in der Organisation der nächsten Veranstaltungen.

Das Team hat sich verändert – mit grossem Dank und mit Freude für alle Kinder und Jugendlichen, die Paul Zebhauser als Lehrer haben werden verabschieden wir uns von seiner initiativ- und verantwortungsvollen Mitarbeit im Team der Jugendsektion. Sein Tätig- Sein war und bleibt eine grosse Bereicherung in allem: im Haus der Sektion, mit und für Schüler, in den vielen Arbeits-und Studiengruppen die er gebildet hat, in der Hochschularbeit.

Sophie Teske beendete im Sommer ihr Jahr in der Jugendsektion: die gemeinsame Zeit war eine grosse Freude. Die mit Maxine Fowé organisierte Tagung bekommt weit über ihr Ende hinaus immer noch wunderbares Echo. Auch für den Kontakt zu Menschen aus Mittel-und Südamerika und für den Beitrag aus der Erfahrung in der Tagungsorganisation sind wir Dir, Sophie, sehr dankbar!

Im Team sind jetzt Ioana Viscrianu und seit September auch Guadalupe Oiozola, Juan Bottero und Andrea de la Cruz. Ein Team, in dem auch viel Spanisch gesprochen wird – nos alegra mucho!

Allen einen herzlichen Gruss

Constanza Kaliks

2.10.2017