Youth Section

'Jetzt-Sein!' reflektiert

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Santiago Secondo: Uruguay
15 Sep, 2012

"Es wäre unmöglich, die Erfahrungen der Tagung am Goetheanum zum Ausdruck zu bringen, ohne zuerst zu betonen, dass das Goetheanum selber eine ganze Erfahrung ist, insbesondere, wenn es das erste Mal ist, dass man einen Eindruck von ihm bekommt. Und das war der Fall bei mir.

Nachdem ich durch die Umgebung gelaufen war, den Raum erlebt hatte, die Bewegungen des Baues beobachtet hatte und die besondere Art, mit der es das Sonnenlicht empfangt und so lebendig reflektiert, hatte ich plötzlich den folgenden Gedanken, der mich die ganze Tagung begleitet hat: das Goetheanum kommt nicht aus dieser Welt. Anders gesagt: dieser Gedanke war im Grunde genommen das unmittelbare Erlebnis des Christus-Impulses in der Gegenwart, der in plastisch-architektonischen Formen offenbart wird.

Und nach meiner Erfahrung unter solcher Stimmung waren die jungen Menschen, die sich während dieser Tage zusammengefunden haben.

Die Tagung war unter dem Zeichen des Jetzt-Seins. Dieses Thema, das nicht eine bloße Art carpe diem ist, fordert nicht nur eine große Selbstverantwortung, sondern auch ein konkretes Verständnis der Vergangenheit und des Zukunft. Es ist ein echter Anruf, damit das Individuum anfängt, die ganzen innig-menschlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Aber warum sollte das Individuum Fähigkeiten entwickeln, um ein Verständnis des Jetzt-Sein zu haben?

Anderseits wurde bei den Vorträgen gehört, dass die Welt eine Sprache spricht, die für den Menschen verstanden werden kann und etwas vom Menschen fordert. Aber wie könnte der Mensch diese Welt verstehen?

Bisher haben wir also die alte Dualität der Menschheit – Mensch-Welt -, die vor den jugendlichen Seelen sowohl in Gesprächsbereichen als auch in künstlerischen Werkstätten angeregt wurde. Und es wurde auch versucht, mögliche Lösungen zu geben. Und ich würde dann sagen, dass die wichtigste Antwort im Menschen selber liegt, denn dieses Verstehen der Welt ist im Wesentlichen eine menschliche Wahrnehmungsfähigkeit – ein Reifeprozeß, der das ganze Leben andauert –, eine seelisch-geistige Tätigkeit, die der Mensch entwickeln kann. Es geht darum, ein Gleichgewicht zwischen zwei Polaritäten zu finden: dem in der sinnlichen Wahrnehmung Schlafen und dem in einer subjektiven Denkrealität Träumen.

So hat der Mensch in sich selber den Schlüssel, um die Welt in jedem Augenblick eröffnen und das Jetzt-Sein wahrnehmen zu können. Und von daher könnte er im Einklang mit jeder Lebenssituation sein, das heißt, immer anwesend zu sein, um das Richtiges zu realisieren, aber nicht als subjektive Meinung, sondern als objektive Wahrnehmung der unmittelbaren Bedürfnisse.

Und das findet die Krönung in den sozialen Beziehungen, im Wahrnehmen des Anderen als Mensch, im Erleben seiner unmittelbaren Notwendigkeiten, im Ergreifen seines seelisch-geistigen Menschenbildes."

 

 

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